Lesung
© Nadine Poncioni
„…es mag sein, dass er etwas von steirischen Kälbern und Kühen und von obersteirischen Schweinen und untersteirischen Mistbeeten verstand; von Kunst und Kultur verstand er jedenfalls nichts...“
Eine Festhaltung
Anhand eines Kapitels aus MEINE PREISE zeichnen Tamara Metelka und Nicholas Ofczarek die Verleihung des Österreichischen Staatspreises für Literatur an Thomas Bernhard und den damit verbundenen Skandal nach.Sie liefern damit eine ebenso humorvolle wie scharfsinnige Studie des problematischen Verhältnisses von Kunst und Politik in Österreich.
„Der Staat ist ein Gebilde, das fortwährend zum Scheitern, das Volk ein solches, das ununterbrochen zur Infamie und Geistesschwäche verurteilt ist.“
Dieser Ausspruch Thomas Bernhards ist Teil jener berühmt berüchtigten Dankesrede anlässlich der Verleihung des Österreichischen Staatspreises für Literatur, die im Jahr 1968 einen Skandal auslöste. „Es ist alles lächerlich, wenn man an den Tod denkt!“ rief Bernhard dem Unterrichtsminister noch nach, als dieser wütend und Türen schmeißend, gefolgt von allen anderen erbosten „Kunstpfründnern“ den Saal verließ, während der Schriftsteller Rudolf Henz zum Podium stürmte und dem Preisträger mit der Faust drohte.
Wenn Nicholas Ofczarek und Tamara Metelka Thomas Bernhards legendären Text „Der österreichische Staatspreis“ aus dem Band Meine Preise auf die Bühne bringen, entsteht ein literarisch-musikalischer Abend von gnadenloser Präzision und unerwartetem Witz.
Bernhard, der ewige Provokateur, rechnet in seinen autobiografischen Aufzeichnungen mit dem Kulturbetrieb ab – scharf, komisch und entlarvend ehrlich. Ofczarek und Metelka lesen, spielen, atmen und zelebrieren diesen Text mit jener Intensität, die nur aus echter Liebe zum Stoff entstehen kann. Zwischen Sprachrhythmus, Ironie und furiosem Dialog entfaltet sich ein Schauspiel über die Eitelkeiten der Kunstwelt und die Unmöglichkeit, sie zu entkommen.
Ein hochkarätiges Kammerspiel zwischen Literatur, Theater und Musik – pointiert, klug, unvergesslich.
Thomas Bernhard neu erleben – mit drei Künstler:innen, die Sprache, Musik und Haltung in vollendeter Form verbinden.