„Das Stück hinterfragt eindimensionale Konzepte im Allgemeinen. Nach unseren Vorstellungen kommen oft Zuschauer auf uns zu, um ihre eigenen Erfahrungen mit Situationen des ‚Dazwischenseins‘ zu schildern. Ich habe das Gefühl, dass das Stück eine Sehnsucht nach Verbindung jenseits binärer Kategorien anspricht – etwas, das in einer zunehmend polarisierten Welt dringend notwendig ist.“
Isabella Sedlak
Das Ein-Personen-Stück von Yousef Sweid und Isabella Sedlak, die auch die Regie führte, wurde im April 2025 am renommierten Maxim Gorki Theater in Berlin uraufgeführt und begeisterte Publikum und Kritiker gleichermaßen.
Nach den ausverkauften Vorstellungen in Berlin ging die Produktion auf die weltweit größte Bühne für innovatives Theater, das Edinburgh Fringe Festival 2025, wo sie begeisterte Kritiken, Standing Ovations und eine überwältigende Resonanz beim Publikum erhielt. Sie wurde zu einer der herausragenden Produktionen des Festivals und löste Gespräche über Kulturen und Generationen hinweg aus.
Das Stück, das auf Sweids persönlichem Leben und Werdegang basiert, entstand aus unzähligen Gesprächen zwischen Yousef Sweid und Isabella Sedlak. Dabei setzten sie sich mit Fragen der Identität, der Wahrheit und des Familienlebens auseinander, oder, wie Sweid es nennt, „meinem schönen Chaos”. Aufgewachsen als palästinensisches Kind in einer christlichen Familie in Haifa und heute selbst Vater von zwei jüdisch-arabischen Kindern in Berlin, setzt sich Sweid mit seinem Dazwischensein auseinander und gelangt an einen Ort, an dem Widersprüche aufeinanderprallen und Slogans versagen.
Ihre enge Freundschaft schuf das Vertrauen für diese Produktion. Nach dem 7. Oktober und dem Ausbruch des Krieges, als Sweid wie viele andere in Hoffnungslosigkeit versank, wurde Sedlak zu der Freundin, die ihn dazu herausforderte, sich nicht zurückzuziehen, sondern nachzudenken. Sie ermutigte ihn, die Widersprüche, die er lebte, zu äußern, und verwandelte seine Geschichten in einen scharfsinnigen, ergreifenden und oft bissig-witzigen dramatischen Text.
Ich wollte mein Leben nie auf der Bühne offenbaren. Ich liebe die Schauspielerei, weil ich gerne in die Rolle anderer Menschen schlüpfe. Aber in diesen schrecklichen Zeiten erscheint es mir notwendig, ein Licht auf andere Geschichten zwischen dem Fluss und dem Meer zu werfen. Geschichten, die eine andere Perspektive und Komplexität vermitteln. Wie die Geschichten, die ich in meinem Leben mit Palästinensern und Israelis erlebt habe. Und die mich immer wieder dazu zwingen, als Brücke zwischen ihnen zu agieren.“
Yousef Sweid