Violine
mit Robert Palfrader, Nicholas Ofczarek und Matthias Jakisic
„Die Zeit möge groß genug werden, dass sie nicht zur Beute werde eines Siegers”
Eine szenische Lesung mit Nicholas Ofczarek & Robert Palfrader, musikalisch begleitet von Matthias Jakisic.
Karl Kraus, einer der sprachmächtigsten Analytiker seiner Zeit, zeichnete sich auch durch die Kunst des Innehaltens aus: Als im Sommer 1914 der 1. Weltkrieg ausbrach, wandte er sich erst Monate später in einer Vorlesung im Wiener Konzerthaus an die Öffentlichkeit und äußerte die Hoffnung, „die Zeit möge groß genug werden, dass sie nicht zur Beute werde eines Siegers“. Und als Adolf Hitler im Jänner 1933 zum Reichskanzler ernannt wurde, ließ Kraus auffallend lange auf eine neue Ausgabe seiner Zeitschrift Die Fackel warten, um sodann zu erkennen: „Das Wort entschlief, als jene Welt erwachte.”
Nicholas Ofczarek, Robert Palfrader und Matthias Jakisic werden in ihrer spielerisch-musikalischen Annäherung an das unerschöpfliche Werk von Karl Kraus den schmalen Grat zwischen Sprechen und Verstummen ausloten.
Kraus’ satirische Kritik, die gesellschaftliche und menschliche Abgründe offenlegt, wird dabei in ihrer schonungslosen Gedankenschärfe und Allgemeingültigkeit erfahrbar. Sprachliche Manipulation, moralische Verwirrung und kriegerische Politik, von denen der Abend erzählt, sind leider zeitlos und „die große Zeit“ erscheint als eine, die erst kommen wird.
Stimme
Nicholas Ofczarek, Robert Palfrader
Musik
Matthias Jakisic
Textfassung / Dramaturgie
Markus Edelmann
„DIE GROSSE ZEIT“ ist keine nostalgische Kraus-Hommage, sondern eine Kampfansage an die Gegenwart. Zwischen Sprachwitz, musikalischer Radikalität und bitterer Komik werfen Nicholas Ofczarek, Robert Palfrader und Matthias Jakisic einen Blick auf eine Welt, die aus den Fugen geraten ist – und auf Menschen, die trotzdem weitersprechen, weiterspielen, weiterhoffen. Karl Kraus’ Texte treffen dabei mit erstaunlicher Wucht auf unsere Zeit: auf politische Erregung, moralische Überforderung und die Frage, was Sprache überhaupt noch vermag. Ein Abend voller Schärfe, Musikalität und unheimlicher Aktualität – für ein Publikum, das lachen, denken und erschrecken will.